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Samstag, 9. Juni 2012

Die Vernunft und die Wut

Die Vernunft und die Wut sind Nachbarn und ziemlich unterschiedlich.
Die Vernunft ist ruhig und denkt viel nach, bevor sie etwas tut. Die Wut ist aufbrausend und denkt nicht oft nach. Grundsätzlich auch erst im Nachhinein. Außerdem wohnt sie mit Pöbelmonster, Missverständnis und Selberschuld zusammen. Die Mitbewohner der Vernunft sind hingegen Kompromiss, Geduld und Beschwichtigung. 
Manchmal ist Kompromiss aber nicht zu sehen und Geduld und Beschwichtigung haben keine Zeit für die Vernunft. Dann geht sie zur Nachbarin, der Wut und fragt nach Hilfe. Ab und zu geht es der Vernunft dann besser, selbst wenn Schlechtesgewissen sich für einen Besuch anmeldet. Leider laufen der Wut auch oft Missverständnis und Selberschuld hinterher, dann muss sich die Vernunft von Schlechtesgewissen beißen lassen. 
Trotzdem würde die Vernunft immer wieder an der Tür der Nachbarin klopfen, wenn sie nicht weiß wohin, denn nichts reinigt so gut wie ein anständiges Gewitter. 

Freitag, 12. November 2010

Schönheit ist vergänglich, die Liebe nicht...

Es war einmal ein Mann, der liebte ein Mädchen. Er schenkte ihr Blumen und Süßigkeiten, schrieb ihr Gedichte und sang Lieder über ihre Schönheit und Liebenswürdigkeit. Auch das Mädchen liebte ihn, aber es war keine Zeit, in der man aus Liebe heiratete. Der Mann war nicht arm, aber die Familie des Mädchen wünschte sich einen noch reicheren oder zumindest erfolgreichen Mann für ihr Mädchen. Es war ein sehr hübsches Mädchen und klug und die Männer lagen ihr zu Füßen. Eines Tages fasste ihre Famile einen General ins Auge. Dieser General lebte nicht nur von seinem Militärgehalt, sondern erwartete auch ein anständiges Familienvermögen, nachdem sein älterer Bruder verstorben war. Es dauerte nicht lang und der General ging bei der Familie ein und aus, war galant zur Mutter, brüderlich mit dem Vater und führte das Mädchen in die feinsten Restaurants, in das Theater und zu Festivitäten aus.
Eines Abends jedoch betrug sich ein schreckliches Unglück. Es hatte die ganze Zeit geregnet und die Steine waren glatt. Der General brachte das Mädchen zurück zum Elternhaus, war aber einen Moment unachtsam, weil er einen Fleck auf seiner Uniform bemerkte und das Mädchen rutschte auf den Steinen aus. Sie fiel hin und schlug sich ihr wunderschönes Kinn aus. Ach war das Jammern groß! Und welch hässliches Schandmal blieb, selbst als die Wunde verheilt war! Der General kam immer seltener in das Haus der Familie und bald darauf sah man ihn mit einer anderen Dirn'.
Das Mädchen hatte er bald vergessen. Die anderen jungen Männer im Übrigen auch. Nur einer war geblieben. Und da die Eltern befürchteten, kein anderer würde sich finden, gingen sie endlich auf sein Bitten ein, das Mädchen heiraten zu dürfen.
In der Nacht nach der Hochzeit lagen die beiden beieinander und sie sprach zu ihm:
"Liebst du mich?"
"Ich hab dich seit dem ersten Blick geliebt und werd dich lieben, bis einer von uns die Augen für immer schließt."
"Trotz der Narbe?"
"Mein Engel, du magst es nicht glauben, aber mit der Narbe bist du noch schöner als bisher! Ist dein Gesicht nun etwas besonderes und die Narbe doch der Grund, weshalb ich dich endlich heiraten durfte. Glaub mir, ich liebe die Narbe fast so sehr wie ich dich liebe."
"Ach herrje! Dabei ist sie doch gar nicht echt!"
"Was meinst du mein Engel?"
"Großmama, meine einzige Freundin in der Familie, malte sie mir mit einer besonderen Farbe, die nur die Zeit abwäscht, weil sie den General nicht mochte und mich liebt. In einem Monat vielleicht ist die Narbe weg..."
"Welch gütige und kluge Frau!"
Seitdem behandelte der Mann diese gütige, kluge Frau als sei sie seine eigene Großmutter und als deren Kinder sie in ein Sanatorium geben wollten, nahm er die Frau in sein Haus auf und lebte glücklich mit ihr, seiner geliebten Frau und den Kindern, die sie ihm schenkte, bis an sein Lebensende.

Donnerstag, 4. November 2010

Die Geschichte vom Glück, dem Leid und der Liebe...

Einst trafen sich Glück und Leid und begannen ein Spiel. Sie wollten herausfinden, wer mächtiger sei. Die Liebe sollte entscheiden.
Sie gingen auf einen Berg und fanden ein kleines Dorf, welches ihr Spielplatz wurde. Dort trafen sie auch auf den Zufall, der entschied, das Glück solle anfangen.
Das Glück schenkte dem Dorf einen sonnigen Sommer mit nicht allzu heftigen Gewittern, damit es eine große Ernte gab. Die Menschen aus dem Dorf freuten sich und prießen das Glück. Fleißig brachten sie ihre reiche Ernte in ihre Scheunen und feierten schon bald darauf ein großes Fest. Das ertrug das Leid nicht und ein Funke flog von einem Feuer aus auf die nächste Scheune. Oh wie die Menschen Leid klagten, während sie versuchten, das Feuer zu löschen!
Die Liebe war sehr beeindruckt, wie mächtig das Leid war, hatte doch nur ein kleiner Funken ausgereicht, um solches Übel in Gang zu setzen. Die Liebe ergriff die Hand des Leides als Zeichen ihrer Zuneigung.
Das Glück schaffte es mit Mühe, ein paar der Scheunen zu retten. Leider war aber zuviel zerstört und die Bauern des Dorfes sahen einem harten Winter mit wenigen Vorräten entgegen. Ein paar der Bauern gingen in den nahegelegenen Wald, um Tiere zu jagen, um die Vorräte aufzubessern. Dabei zeigte das Glück ihnen eine Höhle, in der sie seltene Metallerze fanden. Die Menschen konnten ihr Glück nicht fassen und fingen an, in der Höhle Metall abzubauen und an andere Dörfer und Städte zu verkaufen. Das Dorf wurde immer reicher. Das Leid sah seinen Sieg in Gefahr und ließ einen Stollen einstürzen. Aber das Glück hatte jene Idee erkannt und lockte die Grubenarbeiter früh genug aus der Grube heraus, so dass alle überlebten. Zutiefst berührt von ihrem Glück wanden sich die Männer voller Liebe ihren geliebten Frauen und Kindern zu, weil sie wußten, dass Liebe das Wichtigste im Leben ist.
Zutiefst bewegt nahm die Liebe nun auch das Glück bei der Hand. Sie versuchte sich zu entscheiden, welcher von beiden mächtiger wär, aber sie schaffte es nicht. Sie beschloss solang Hand in Hand mit Glück und Leid zu gehen, bis einer von beiden ihr beweisen konnte, wer der Mächtigere sei.

Seitdem gehen Glück und Leid Hand in Hand mit der Liebe und überall wo die Liebe auftaucht, sind auch sie nicht weit.